Freiraum für innovative Hafenakteure

Mit homePORT schafft die HPA einen Freiraum

für Innovationen, Experimente und neue Fertigungsverfahren im Herzen des Hafens

Technologie, Innovation und Resilienz wird zunehmend relevanter – gerade in der maritimen Branche. Gleichzeitig erleben wir eine starke Zunahme bei digitalen Lösungen. Doch gerade maritime und logistische Produktinnovationen sind selten rein digital. Insbesondere hardware-basierte Technologien benötigen einen Tech-Playground, in dem man unter realen Bedingungen ausprobieren und weiterentwickeln kann. Dies soll der homePORT-Innovationscampus und -Reallabor im Herzen des Hamburger Hafens schaffen: Bereits Ende des letzten Jahres erfolgte der digitale Startschuss für homePORT Hamburg. Mit starken Partnern aus Wirtschaft und Forschung sowie behördlichen Institutionen setzt homePORT alles daran, die Entwicklung von maritimen und logistischen Innovationen voranzutreiben und testen zu lassen, um bedeutsame Resultate für die maritime Hafenwirtschaft zu erzielen.

Unter dem Motto „Connect, Collaborate & Create“ schafft homePORT (https://www.homeport.hamburg/) eine Plattform für innovative, ambitionierte Hafenakteure und Start-ups aus Wissenschaft und Technologie. homePORT räumt damit Freiraum zum Ausprobieren, Experimentieren und Kollaborieren mit anderen Partnern und Akteuren wie Universitäten, Forschenden und Startups ein. Mit der Idee des Reallabors ergeben sich beispielsweise optimale Bedingungen für autonome Drohnen- und Fahrzeugtests sowie 3D-Druck.

Wir haben mit Marius Eschen, Product Lead New Business and Partnership sowie Projektmanager homePORT bei der HPA gesprochen.

Hallo Marius. Schön, dass du dir heute die Zeit genommen hast, dich mit mir über das Projekt homePORT zu unterhalten. Dabei ist derzeit bestimmt einiges los bei euch, oder?

Moin Kaspar, danke für die Einladung. In der Tat haben wir derzeit einiges zu tun. Neben dem “normalen” Geschäftsalltag, sind wir gerade dabei mit vielen spannenden Akteuren und Machern zu sprechen, um langfristige Kooperationen aufzubauen und unser Vorhaben zu präsentieren, die das Netzwerk nachhaltig stärken. Daneben steht natürlich die Realisierung des Makerspaces aktuell sehr im Fokus, der im Sommer seine Türen im Hafen eröffnen soll.

Da sprichst du schon zwei zentrale

Elemente von homePORT an: das Netzwerk und den Makerspace. Vielleicht fangen wir einmal ganz vorne an. Was ist homePORT eigentlich?

homePORT ist ein vielschichtiges Projekt, das den Hafen der Zukunft ein Stück weit mitgestalten soll. Auf der einen Seite ist homePORT derzeit noch eine rein digitale Kollaborationsplattform zwischen diversen Hafenakteuren, Startups und Forschungseinrichtungen. Corona-bedingt können wir diese Kollaboration leider noch nicht physisch stattfinden lassen. Sobald dies aber wieder möglich ist, werden wir uns – und damit kommen wir zur zweiten Säule – in einem Makerspace im Hafen treffen können, um dort gemeinsam in den Austausch und das Erproben innovativer Produkte einzusteigen. Wir nennen diesen Container-Campus auch unseren “physischen Nukleus” – denn geplant ist durchaus noch mehr. Der Container-Campus wird sich am Südausgang des St. Pauli Elbtunnels befinden und ist für alle Interessierten sowohl aus der Stadt als auch aus dem Hafen gut zugänglich. Neben rund 200 m² OpenLab werden auch 100 m² Seminar- und Workshopräumlichkeiten zur Verfügung stehen. Und zu guter Letzt bietet homePORT mit den identifizierten Testflächen im Hafen einen zentralen und standardisierten Zugang zu Land- und Wassertestflächen. Genau das macht aus unserer Sicht den USP des Vorhabens aus.

Bevor wir nochmal genauer auf die Testflächen zu sprechen kommen, warum genau wurde das Projekt ins Leben gerufen? Welchen Nutzen versprecht ihr euch davon?

Vor allem wollen wir für die Hafenwirtschaft Nutzen stiften. Wir haben festgestellt, dass der Hafen nicht nur von Bürger*innen als eine abstrakte, wenig zugängliche Infrastruktur wahrgenommen wird. Auch Startups und Forschungseinrichtungen, die im Bereich der maritimen Wirtschaft forschen und entwickeln, haben häufig nicht den Zugang, den sie bräuchten, um effizient und effektiv an reale Testinfrastrukturen zu kommen. Gesehen haben wir das zunächst bei uns selber in Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Gespiegelt haben uns das dann aber auch zahlreiche Forscher*innen und Startup-Akteure – vieles geschieht über direkte Kontakte. Das hat uns angespornt, einen besseren, zentraleren Zugang zu schaffen. Nicht nur durch die Lage des Nukleus wird dies aus unserer Sicht gelingen, sondern auch durch unser behörden-untypisches Auftreten. So können bspw. Testflächen online per Buchungsformular gebucht werden und auch der Zugang zur digitalen Community findet auf Basis moderner Kollaborationsplattformen statt. Genauso sollen auch Seminarräume, Workshops und Zugang zum Makerspace einfach zugänglich gemacht werden. Wir nennen das “One-Stop-Shop”.

Nutzen stiften wir auch durch die Community, in der wir Nutzer und Akteure zusammenbringen. Wir bieten unseren Mitgliedern eine Bühne, um Innovation zu präsentieren, aber auch, um Kontakte herzustellen, die Innovation in die aktive Anwendung bringen. Auch leichtgewichtige Diskussionen und Projektanbahnungen sind Ziel des Netzwerks. Eine Win-Win-Situation aus unserer Sicht für beide Seiten – gerade in Zeiten von eingeschränkten Reise- und Messemöglichkeiten.

Dieses “Matchmaking” zwischen den Mitgliedern werden wir im Verlauf des Jahres verstärkt durch digitale Events ausbauen und, sobald es wieder möglich ist, natürlich auch live vor Ort und in Farbe.

Das klingt sehr spannend. Ich würde nun gerne noch einmal das Thema der Testflächen aufgreifen.

Sehr gerne. Das ist, um ehrlich zu sein, die Säule des Konzepts, auf die wir besonders stolz sind. Denn während sich der Campus noch im Aufbau befindet, können wir diese Leistung bereits jetzt anbieten.

Konkret haben wir derzeit zwei unterschiedliche Arten von Testflächen: zu Land und zu Wasser. Die Landtestflächen können wir in guter Zusammenarbeit mit der CGH am Cruisecenter Steinwerder sowie an unserem Container-Nukleus Steinwerder Süd anbieten. Spannend hierbei, dass alle Flächen unterschiedlich groß sind. So gibt es am Cruisecenter beispielsweise auch die Möglichkeit einer Off-Road-Testfläche mit circa 750 m² und zwei asphaltierte Parkflächen von je 1000 m² Fläche. Wer aber lieber indoor testen möchte, kann in Abstimmung mit der CGH und moderiert durch uns mit den Genehmigungsbehörden, diese Fläche buchen. Die Outdoor-Fläche Steinwerder Süd am Südausgang des St. Pauli Elbtunnel ist sicherlich mit ca. 3500m² aktuell die größte zusammenhängende Fläche, die wir anbieten können.

Wasserseitig haben wir einen Prozess geschaffen, der in Zusammenarbeit mit Harbour Master, dem Oberhafenkapitän, entstanden ist. Die Auswahl der Wasserflächen ist in diesem Fall nicht möglich. Harbour Master weist entsprechende Testflächen entsprechend des avisierten Testfalls zu. Dabei wird aber natürlich darauf geachtet, dass alle Wünsche der Tester berücksichtigt werden können. Auch in diesem Fall setzen wir auf unseren Standort Steinwerder Süd. Das sogenannte “Norderloch” steht dort mit geringeren Tiefgängen zur Verfügung. Hinter dem Cruisecenter Steinwerder ist es der “Kaiser-Wilhelm-Hafen”, der ebenfalls in Abstimmung mit den Genehmigungseinheiten zur Verfügung steht.

Warum gab es denn nicht schon früher die Möglichkeit, solche Testflächen anzubieten?

Da die prozessuale Gestaltung samt der Einbindung aller zuständigen Stellen gar nicht so einfach ist. Was hier nun so simpel klingt, war in Wirklichkeit ein großer organisatorischer Aufwand. Daher möchte ich mich auch ganz recht herzliche bei allen Mitwirkenden bedanken, die das möglich gemacht haben. Sie haben sich wirklich viel Zeit für Gespräche, Abstimmungen und die Entwicklung von Standardprozessen genommen und stehen uns mit Rat und Tat auch weiterhin zur Seite. Anders wäre das ganze Vorhaben nicht möglich gewesen.

Noch zwei abschließende Fragen. Hier die erste: Wer kann denn alles Mitglied bei homePORT werden?

Prinzipiell kann jeder, der Interesse an der Entwicklung der maritimen Wirtschaft hat, Teil des Netzwerks werden. Eine kurze Anmeldung über unsere Website und schon ist man dabei: https://www.homeport.hamburg/community#jetzt-Mitglied-werden. Uns ist es wichtig, dass wir unsere Netzwerkmitglieder kennen. Daher nehmen wir zu den Neuen immer persönlichen Kontakt auf. Das soll aber nicht abschrecken. Ganz im Gegenteil! Wir möchten erfahren, was sie antreibt, welche Ziele sie verfolgen und wie homePORT sie dabei optimal unterstützen kann.

Die letzte Frage an dich, Marius: Was plant ihr für die Zukunft? Wie wird sich homePORT entwickeln?

Da wir ja erst Ende letzten Jahres gestartet sind, stehen wir mit allem wirklich noch am Anfang. Eine große Entwicklung in diesem Jahr wird die Errichtung und Ausgestaltung des Makerspaces mit einem ganz hervorragenden Netzwerkpartner sein, den wir an dieser Stelle aber noch nicht vorwegnehmen möchten. 😉 Und dann natürlich der ITS Weltkongress im Oktober 2021 – der im Übrigen auch einen Bürgertag enthalten wird. homePORT ist Teil des offiziellen Messegeländes und wir planen mit spannenden Akteuren viele Demonstrationen bspw. im Bereich Drohnen und 3D-Druck!

Essentiell ist aber auch die Community. Ob digital oder physisch – wichtig ist, dass wir miteinander sprechen und gemeinsam agieren. Nur so können wir Innovationen aktiv in die Hafenentwicklung einbringen. Zusammen und gemeinsam. Denn sicher ist: viel wird sich verändern – und dieser Wandel sich beschleunigen. Insofern wird auch die Hafenwirtschaft der Zukunft eine andere sein. Ich bin mir aber sehr sicher, dass der Hamburger Hafen mit den starken Partnern und Akteuren auch in Zukunft relevant sein wird; wenn wir die richtigen Weichen stellen. Marius, vielen Dank dir!

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