Wenn ein ganzes Team in Teilzeit arbeitet oder „hoch lebe die Flexibilität“

Teilzeitbeschäftigt ist ein Arbeitnehmer, dessen regelmäßige
Wochenarbeitszeit kürzer ist als die eines vergleichbaren vollzeitbeschäftigten
Arbeitnehmers.[1] Das Modell der Teilzeitbeschäftigung dürfte vielen von uns bekannt sein. Entweder haben wir selbst schon in Teilzeit gearbeitet oder aber wir kennen jemanden aus dem Freundeskreis oder Kollegium, der mit reduzierter Stundenanzahl arbeitet. Doch stellen wir uns mal vor, ein ganzes Team arbeitet in Teilzeit – in verschiedenen Arbeitszeitmodellen, an unterschiedlichen Tagen. Wann finden dann Besprechungen statt und wie effizient kann wirklich gearbeitet werden? Diesen und weiteren Fragen gehe ich auf den Grund. Denn ich bin eines von sieben Teammitgliedern, deren Team komplett in Teilzeit arbeitet.

 

Die Gründe für Teilzeitarbeit sind vielfältig

Die Gründe für eine Reduzierung der Arbeitsstunden sind vielfältig und häufig auf familiäre Verpflichtungen wie die Betreuung von Kindern oder Angehörigen zurückzuführen. Auch die Tatsache, keine Vollzeitstelle gefunden zu haben, kann ein Grund für eine Teilzeitbeschäftigung sein.[2] Der Wunsch, einen größeren Fokus auf „das Leben“ als auf die Arbeit zu legen und die Work-Life-Balance in das richtige Gleichgewicht zu bringen, kann eine Arbeitszeitreduzierung zur Folge haben. Bei der Hamburg Port Authority (HPA) liegt der Anteil der Teilzeitbeschäftigten im Übrigen bei 17,2 %. Unter den HPA-Mitarbeiterinnen
sind 43,5 % in Teilzeit tätig, bei den HPA-Mitarbeitern sind es 8,9 %.

 

Teilzeit bringt Herausforderungen mit sich

In unserem Team „Recruiting und Personalmarketing“ arbeiten alle sieben Teammitglieder in Teilzeit mit unterschiedlicher Stundenanzahl. Von 20 Stunden pro Woche bis 34 Stunden pro Woche – verteilt auf drei, vier oder fünf Tage. Es ist alles dabei. Eine Person arbeitet montags, dafür freitags nicht und umgekehrt. Ich selbst bin von Dienstag bis Donnerstag im Dienst. Unsere gemeinsame Schnittmenge umfasst somit drei Tage pro Woche. Das stellt
uns hin und wieder vor einige Herausforderungen.

Das Zauberwort heißt in diesen Fällen wie so oft „Flexibilität“. Nutze ich zur Terminfindung die Hilfsfunktion „Auto Auswahl“ von Outlook, dann liefert Outlook mir den nächsten freien Zeitpunkt, zu dem alle verfügbar sind. Das wäre ein Termin heute in vier Wochen und für die meisten Angelegenheiten zu spät. Ein kurzer Anruf und einige Nachrichten über MS Teams später, ist das Problem gelöst: mein Kollege verschiebt einen anderen Termin, und ich habe meinen Termin bereits morgen. Geht doch! Das ist nur eines von vielen Beispielen an täglichen kleinen Herausforderungen. Terminierte Interviews mit Bewerber*innen müssen in den seltensten Fällen ausfallen, weil wir es fast immer möglich machen, andere Termine bei Bedarf zu verschieben und füreinander einzuspringen. In Ausnahmefällen hat meine Kollegin auch schon mal ihren freien Freitag mit einem anderen Wochentag getauscht und konnte so an einem wichtigen Termin teilnehmen. Auch privat sind wir miteinander vernetzt, um schnell handeln zu können, sollte Abstimmungsbedarf vorhanden sein oder jemand ausfallen.

Erfolgsfaktoren und Akzeptanz

Neben gelebter Flexibilität ist eine gute Organisation im Team genauso wichtig wie so etwas Banales wie Besprechungsnotizen. So behalten alle bei wichtigen Themen den Überblick und können auch bei Abwesenheit Inhalte nachlesen. Die Möglichkeit, die Arbeit zu einem bestimmten Anteil von zu Hause aus zu erledigen, hat die Wahrnehmung von Terminen und somit die Flexibilität
enorm begünstigt. Ja, es ist manchmal herausfordernd, aber ich stelle immer
wieder fest, dass gerade in kurzer Zeit die Effizienz unseres Teams bzw.
unserer Arbeit sehr hoch ist. Wer kennt es nicht: Ich schaffe häufig an kurzen
Arbeitstagen mehr in der mir zur Verfügung stehenden Zeit als an langen
Arbeitstagen. Ich bin oftmals fokussierter und konzentrierter, da ich weiß,
dass die Uhr tickt.

Die Akzeptanz innerhalb der HPA gegenüber Teilzeitbeschäftigung ist nach meiner Einschätzung da. Sicherlich gibt es Beschäftigte oder Führungskräfte, die kein Fan von Teilzeit sind, und die befürchten, die Aufgaben können in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht erledigt werden. Das sind legitime Sorgen, die sicher auch in einigen Fällen ihre Berechtigung haben. Aber es gibt viele Beispiele aus der Praxis, die zeigen, dass auch nach anfänglicher Skepsis eine Reduzierung der Arbeitszeit möglich ist. Durch die angepasste Menge von Aufgaben oder durch eine Umverteilung von Aufgaben ist vieles möglich.

Was unser Team angeht, ist vielen noch nicht einmal mehr aufgefallen, dass wir alle in Teilzeit arbeiten. Das werte ich persönlich als vollen Erfolg und soll an dieser Stelle einfach Mut machen, auch anderen oder ungewöhnlichen Arbeitszeitmodellen eine Chance zu geben.

Quellen:


[1] § 2 TzBfG – Einzelnorm(gesetze-im-internet.de)

[2] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, Statistisches Bundesamt: Mikrozensus; Eurostat: Arbeitskräfteerhebung) : Voll-und Teilzeitbeschäftigte | bpb

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